Flüchtlingsdebatte online: Die vergangenen zehn Wochen in der Kurzanalyse

Content Fleet 15/09/2015
Flüchtlingsdebatte online: Die vergangenen zehn Wochen in der Kurzanalyse

Wie gehen die Medien mit dem Thema "Flüchtlinge" um?  Mithilfe vollautomatischer Datenanalysen zeigt Content Fleet, wie sich Online-Publisher mit dem brisanten Diskussionsgegenstand auseinandersetzen.

 

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Flüchtlinge: Kein Thema ist dringlicher

Griechenland und Flüchtlinge: Diese beiden Themen beschäftigen die Online-Medien von Anfang Juli bis Mitte September. Ist der Grexit zunächst noch das wichtigste Thema im Netz, wendet sich in der zweiten Julihälfte das Blatt. Die Berichterstattung über das krisengeschüttelte EU-Land flaut ab, während die Anzahl an Publikationen zum Thema Flüchtlinge rasant zunimmt. Bilanz: Zur Flüchtlingsdebatte erscheinen zwischen dem 01. Juli und dem 13. September 60.100 Online-Artikel, zur Griechenlandkrise 45 Prozent weniger.

Heidenau geht um die Welt

Die Ausschreitungen von Heidenau überschatten die Flüchtlingsdebatte im August. Der 16.000-Seelen-Ort in der sächsischen Schweiz ist in Kombination mit dem Keyword "Flüchtlinge" einer der am häufigsten verwendeten Begriff in den deutschen Online-Medien. Nicht nur hierzulande, rund um den Globus sorgt Heidenau für Schlagzeilen: In 44 Ländern wird über die Kleinstadt berichtet.

Wer sind die Leute, die in Heidenau auf die Straße gehen? Rechtsradikale Extremisten oder doch nur besorgte Bürger? Die Beurteilung fällt unterschiedlich aus. Für die meisten deutschen Publisher sind es "Rechtsradikale" (1.368 Publikationen), für andere "Nazis" (257), "Bürger" (256) oder "Pack" (100). Die Begriffe "Asylgegner" und "Asylkritiker"werden nur selten verwendet (43 und 5 Publikationen). Sie sind wegen ihrer Implikation, das Recht auf Asyl sei verhandelbar, in den Online-Medien zuletzt stark kritisiert worden.

Die Heidenau-Debatte bietet Politikern die Gelegenheit, sich medienwirksam zum Thema  Fremdenfeindlichkeit zu positionieren. Sigmar Gabriel weiß dies zu nutzen: Durch seinen Besuch im Flüchtlingsheim unmittelbar nach den ersten Ausschreitungen zeigt er sich schon früh solidarisch mit den Neuankömmlingen. Angela Merkel hat sich hingegen erst spät zu den Ausschreitungen geäußert. Die Zurückhaltung der Kanzlerin hat Konsequenzen: In der Berichterstattung zu Heidenau taucht ihr Name 90 mal auf, der von Gabriel wird 264 mal genannt.

Sprachbilder: Überschwemmungs- und Eroberungsmetaphern

In der Flüchtlingsdebatte beschränken sich die deutschen Online-Medien nicht auf neutrale  Beschreibungen. Auch Sprachbilder finden Eingang in die Berichterstattung. Besonders häufig: Überschwemmungs- und Eroberungsmetaphern. Die Begriffe "Flüchtlingswelle", "Flüchtlingsstrom" oder "Asylantenflut" werden in 1017 Online-Artikeln verwendet und zeichnen mit ihrer Anspielung auf Naturkatastrophen ein gefährliches Bild der aktuellen Situation. Begriffe wie "Ansturm", "Einfallsrouten" und "Einfallstor" tauchen in 423 Artikeln auf. Sie implizieren einen Angriff auf die Festung Europa und erschaffen das Szenario einer drohende Invasion.

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